Ist mein Projekt förderfähig? Forschungszulage für Software, KI, Hardware & Produktentwicklung

Förderfähigkeit von Entwicklungsprojekten im Rahmen der Forschungszulage. Zentrale Suchfrage: „Ist mein Projekt für die Forschungszulage förderfähig?“


Ist mein Projekt förderfähig? Forschungszulage für Software, KI, Hardware & Produktentwicklung

Dr. Anne Küsters, 14. September 2026

Nicht jedes neue Produkt ist Forschung. Aber Forschung findet auch nicht nur im Labor statt.

Software-, KI-, Hardware- und Produktentwicklungsprojekte kommen für die Forschungszulage infrage, wenn sie echte Forschungs- und Entwicklungsarbeit enthalten. Entscheidend sind drei Kriterien: Neuartigkeit, wissenschaftlich-technische Risiken und ein planmäßiges Vorgehen. Ein innovatives Geschäftsmodell oder ein hoher Entwicklungsaufwand allein reichen nicht aus.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Was entwickeln wir?“ Sondern: „Welches technisch ungelöste Problem müssen wir dafür überwinden?“ Dieser Beitrag hilft dir, diese Grenze einzuordnen,  mit konkreten Beispielen und einem Selbstcheck für dein Projekt.

Wann ist ein Projekt für die Forschungszulage förderfähig?

Die Forschungszulage ist eine steuerliche Förderung für Forschung und Entwicklung, kurz FuE. Grundsätzlich können in Deutschland steuerpflichtige Unternehmen davon profitieren: vom Start-up bis zum etablierten Mittelstand, unabhängig von ihrer Branche.

Gefördert werden Vorhaben aus den Kategorien Grundlagenforschung, industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung. Letztere ist besonders relevant, wenn vorhandenes Wissen genutzt und weiterentwickelt wird, um neue oder verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu schaffen. Für die fachliche Bewertung prüft die Bescheinigungsstelle Forschungszulage, kurz BSFZ, drei Kriterien. Alle drei müssen erfüllt sein:

1. Neuartigkeit: Was geht über bestehende Lösungen hinaus?

Dein Vorhaben muss auf neue Erkenntnisse oder eine neuartige Nutzung vorhandenen Wissens abzielen. Dabei zählt nicht nur, ob etwas für dein Unternehmen neu ist. Entscheidend ist auch die Abgrenzung zum verfügbaren Stand der Technik im jeweiligen Wirtschaftszweig. Eine erstmalige Umsetzung einer etablierten Lösung im eigenen Unternehmen genügt nicht.

Die Frage für deinen Projektcheck: Welche konkrete Fähigkeit fehlt bestehenden Lösungen  und was musst du entwickeln, um diese Lücke zu schließen? Beschreibe dafür nicht nur dein Wunschprodukt. Stelle ihm gegenüber, was verfügbare Technologien bereits leisten und woran sie für dein Vorhaben scheitern.

2. Technisches Risiko: Warum ist der Lösungsweg noch offen?

Es müssen wissenschaftliche oder technische Unsicherheiten bestehen, die das Entwicklungsziel gefährden können. Gemeint ist nicht, dass das Projekt teuer werden könnte oder die Nachfrage unklar ist. Entscheidend sind Schwierigkeiten, durch die der angestrebte Ansatz technisch scheitern könnte. Rein wirtschaftliche Risiken zählen hierfür nicht.

Die Frage für deinen Projektcheck: Was könnte technisch nicht funktionieren und warum lässt sich das nicht mit einer bekannten Standardlösung beheben? „Die Entwicklung ist komplex“ ist dafür zu allgemein. Aussagekräftiger ist eine konkrete Erklärung, welche Annahme unbewiesen ist und mit welchen Versuchen dein Team sie überprüfen will.

3. Planmäßigkeit: Wie arbeitet dein Team an der Lösung?

FuE braucht ein nachvollziehbares Vorgehen mit definierten Zielen, konkreten Arbeitsschritten und Kriterien, anhand derer sich die Ergebnisse bewerten lassen. Die bloße Absicht, etwas Neues zu entwickeln, reicht nicht. Für die Vorbereitung empfiehlt sich deshalb ein Arbeitsplan, der Entwicklungsansätze, Versuche, Verantwortlichkeiten und erwartete Zwischenergebnisse zusammenführt.

Die Frage für deinen Projektcheck: Welche Schritte führen von der technischen Ungewissheit zu einem überprüfbaren Ergebnis? Dabei sollte auch sichtbar werden, was dein Team aus gescheiterten Ansätzen gelernt hat und weshalb es den Lösungsweg angepasst hat.

Forschungszulage für Software: Wann wird Programmierung zu FuE?

Softwareentwicklung kann förderfähig sein. Selbst geschriebener Code ist dafür aber noch kein ausreichender Nachweis. Entscheidend ist die Abgrenzung zu etablierten IT-Lösungen und routinemäßigen Entwicklungsarbeiten. Die folgenden Szenarien sind fiktive Beispiele. Sie veranschaulichen mögliche FuE-Fragestellungen und sind keine amtlichen Förderentscheidungen.  

Beispiel: Produktionsplanung unter dynamischen Bedingungen

Dein Team entwickelt eine Software, die Produktionspläne bei Maschinenausfällen, Materialengpässen und wechselnden Energieverfügbarkeiten neu berechnen soll.

Die technische Herausforderung: In den untersuchten Anwendungsfällen liefern bestehende Verfahren entweder zu langsam Ergebnisse oder verletzen wichtige Produktionsbedingungen. Dein Team entwickelt deshalb einen neuen Lösungsansatz und vergleicht ihn systematisch mit vorhandenen Verfahren. Offen ist beispielsweise, ob sich die notwendigen Nebenbedingungen berücksichtigen lassen, ohne dass die Berechnungszeit unbrauchbar wird.

Der mögliche FuE-Kern liegt hier im neuartigen Lösungsverfahren nicht automatisch in der gesamten Softwareplattform. Davon abzugrenzen wären etwa Benutzerverwaltung, Abrechnung und Standard-Schnittstellen, soweit diese mit etablierten Methoden umgesetzt werden. Auch die reine Einführung, Konfiguration oder Portierung bestehender Software genügt nicht als FuE-Vorhaben.

Forschungszulage für KI: Reicht der Einsatz künstlicher Intelligenz?

Nein. „KI-basiert“ ist keine Förderkategorie. Für ein Projekt mit künstlicher Intelligenz müssen die konkrete technische Neuerung, die Unsicherheiten und die Entwicklungsarbeiten erkennbar sein. Die BSFZ weist ausdrücklich darauf hin, dass das Schlagwort KI eine fachliche Beschreibung nicht ersetzt.  

Beispiel: Fehlererkennung mit wenigen Trainingsdaten

Dein Team entwickelt ein System zur visuellen Qualitätsprüfung. Es soll seltene Materialfehler erkennen, obwohl nur wenige gelabelte Beispiele verfügbar sind und sich Oberflächen sowie Lichtverhältnisse zwischen Produktionslinien unterscheiden.

In diesem Szenario zeigen Vergleichstests, dass vorhandene Ansätze die benötigte Übertragbarkeit nicht erreichen. Das Team entwickelt und untersucht deshalb eine neue Kombination aus Modellanpassung und Trainingsmethodik.

Die offene Frage: Lernt das System tatsächlich die relevanten Fehlermerkmale oder vor allem zufällige Eigenschaften der jeweiligen Produktionsumgebung?

Ein solches Vorhaben verdient eine genauere Förderprüfung. Wenig Daten zu haben, ist für sich genommen jedoch noch keine ausreichende FuE-Begründung. Beschreibe den daraus entstehenden technischen Engpass und den eigenen Entwicklungsansatz.

Auf typische KI-Anwendungen übertragen bedeutet die Abgrenzung zu Routinearbeiten außerdem: Eine bestehende Modellschnittstelle einzubinden, Standardkomponenten zu konfigurieren oder Prompts anzupassen, begründet allein noch keine Förderfähigkeit. Auch Fine-Tuning muss anhand der tatsächlichen Entwicklungsarbeit bewertet werden.

Forschungszulage für Hardware: Ist ein Prototyp automatisch Förderfähig?

Ein Prototyp kann Teil eines förderfähigen Vorhabens sein. Seine Existenz allein beweist aber noch keine Forschung und Entwicklung. Auch ein kundenspezifisches Einzelstück muss die fachlichen Kriterien erfüllen.

Beispiel: Sensorik für anspruchsvolle Produktionsumgebungen Dein Unternehmen entwickelt einen Sensor, der unter starken Temperaturschwankungen präzise messen soll.

In diesem fiktiven Vorhaben können verfügbare Messsysteme die geforderte Genauigkeit im vorgesehenen Bauraum nicht erreichen. Dein Team untersucht deshalb einen neuen Messaufbau und ein darauf abgestimmtes Kompensationsverfahren.

Noch ungeklärt ist, ob sich die temperaturbedingten Abweichungen dauerhaft korrigieren lassen, ohne Energiebedarf oder Reaktionszeit unzulässig zu erhöhen. Verschiedene Prototypen und Versuchsreihen sollen diese Frage beantworten.

Hier lässt sich der mögliche FuE-Anteil konkret beschreiben: Messprinzip, technische Unsicherheit, Versuchsaufbau und Auswertung. Die Installation einer marktüblichen Anlage, ihre Inbetriebnahme nach Herstelleranleitung oder routinemäßige Wartung sind davon zu unterscheiden.

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Förderfähigkeit von Entwicklungsprojekten im Rahmen der Forschungszulage. Ist mein Projekt für die Forschungszulage förderfähig?

Forschungszulage für Produktentwicklung: Wo verläuft die Grenze?

Produktentwicklung und FuE schließen sich nicht aus. Aber nicht jede Tätigkeit auf dem Weg zu einem neuen Produkt ist förderfähig. Ist das Produkt technisch im Wesentlichen festgelegt und geht es hauptsächlich um Marktentwicklung oder einen reibungslosen Produktionsbetrieb, gehört diese Arbeit nicht mehr zu den begünstigten FuE-Kategorien.

Beispiel: Ein neues Materialsystem für ein Industrieprodukt.

Ein Unternehmen möchte ein bislang schwer recycelbares Bauteil durch eine neue Materialkombination ersetzen. In unserem Beispielszenario erreichen vorhandene Materiallösungen nicht gleichzeitig die erforderliche Temperaturbeständigkeit, mechanische Belastbarkeit und Trennbarkeit. Das Entwicklungsteam untersucht deshalb unterschiedliche Zusammensetzungen und Verarbeitungsverfahren. Ob die angestrebten Eigenschaften zusammen erreichbar sind, ist zu Beginn offen. Die Versuchsreihen dienen dazu, diese technische Unsicherheit zu klären.

Der mögliche Fördergegenstand wäre hier die Entwicklung und Erprobung des Materialsystems. Produktfotografie, Vertrieb und die spätere routinemäßige Fertigung gehören nicht deshalb ebenfalls zur FuE, weil sie dasselbe Produkt betreffen. Prüfe deshalb nicht nur „das Produkt“, sondern die konkrete Entwicklungsaufgabe und ihre Grenzen.

Förderfähiges Projekt heißt nicht: Das gesamte Budget wird erstattet. Die technische Anerkennung eines Vorhabens und die Ermittlung seiner förderfähigen Kosten sind zwei unterschiedliche Prüfungen.

Bei eigenen Beschäftigten sind beispielsweise nur die gesetzlich begünstigten Personalaufwendungen für die tatsächlichen FuE-Tätigkeiten relevant. Daneben können unter weiteren Voraussetzungen Auftragsforschung und bestimmte Abschreibungen auf erforderliche Wirtschaftsgüter berücksichtigt werden. Nicht jede Ausgabe mit Projektbezug gehört automatisch zur Bemessungsgrundlage.

Die Forschungszulage beträgt grundsätzlich 25 Prozent der förderfähigen Bemessungsgrundlage. Unternehmen, die die maßgebliche EU-KMU-Definition erfüllen, können eine Erhöhung auf 35 Prozent beantragen.

Für ab dem 1. Januar 2026 entstehende Aufwendungen liegt die maximale jährliche Bemessungsgrundlage bei 12 Millionen Euro. Für FuE-Vorhaben, die nach dem 31. Dezember 2025 beginnen, kommt eine Pauschale von 20 Prozent auf die gesetzlich definierten förderfähigen Aufwendungen für zusätzliche Gemein- und Betriebskosten hinzu. Das sind nicht 20 zusätzliche Prozentpunkte beim Fördersatz.

Für eine belastbare Einschätzung brauchst du deshalb beides: eine fachliche Einordnung des Projekts und eine nachvollziehbare Zuordnung der Aufwendungen.

Selbstcheck: Welche Informationen solltest du vorbereiten?

  1. Was soll technisch neu oder wesentlich besser werden? Entwicklungsziel und Vergleich mit verfügbaren Lösungen.
  2. Woran könnte der Ansatz scheitern? Konkrete technische Unsicherheiten und ihre Ursachen.
  3. Wie untersucht dein Team diese Fragen? Arbeitspakete, Versuchsplanung, Vergleichstests und Bewertungskriterien.
  4. Wo endet FuE und beginnt Routine? Abgrenzung zu Standardimplementierung, laufendem Betrieb und Vermarktung.
  5. Wer arbeitet wann und mit welchem Aufwand daran? Beteiligte Personen, Projektzeiträume, externe Aufträge sowie Zeit- und Kostenaufzeichnungen.

Für den Einstieg musst du daraus keinen perfekt formulierten Förderantrag machen. Sammle zunächst die vorhandenen technischen Unterlagen: etwa Architekturentscheidungen, Testberichte, Entwicklungsnotizen und dokumentierte Vergleichsergebnisse.

Ein hilfreicher Ausgangssatz ist: „Wir entwickeln [technische Lösung], weil bestehende Ansätze [konkrete Grenze] haben. Unklar ist, ob [technische Annahme] funktioniert. Das untersuchen wir durch [Entwicklungsschritte und Versuche].

Nutze diese Struktur, um die tatsächliche Entwicklungsarbeit sichtbar zu machen, nicht um Routinearbeiten nachträglich als Forschung darzustellen.

Häufige Fragen zur Förderfähigkeit

Kann ich die Forschungszulage für ein bereits laufendes oder abgeschlossenes Projekt beantragen?

Ja, grundsätzlich ist das möglich. Die Bescheinigung bei der BSFZ kann vor, während oder nach Abschluss des Vorhabens beantragt werden. Für den anschließenden Antrag beim Finanzamt gelten eigene Fristen; grundsätzlich ist eine rückwirkende Beantragung innerhalb von vier Jahren nach dem jeweiligen Wirtschaftsjahr möglich. Entscheidend ist deshalb auch, wann die förderfähigen Aufwendungen entstanden sind.

Kann auch ein gescheitertes Entwicklungsprojekt förderfähig sein?

Ja. Ein erfolgreiches Endergebnis ist keine Voraussetzung. Auch ein Vorhaben, das sein technisches Ziel nicht erreicht, kann begünstigt sein, sofern es die FuE-Anforderungen erfüllt. Das Bundesfinanzministerium stellt ausdrücklich klar, dass der Erfolg kein Maßstab für die Förderung ist.

Können Start-ups ohne Gewinn die Forschungszulage erhalten?

Ja, grundsätzlich. Die Forschungszulage kann unabhängig von der Gewinnsituation in Anspruch genommen werden. Sie wird auf die Einkommen- oder Körperschaftsteuer angerechnet; ein verbleibender Überschuss wird erstattet. Fehlender Gewinn allein schließt eine Förderung daher nicht aus.

Sind Projekte mit externen Entwicklern oder Forschungspartnern förderfähig?

Ja. Das Gesetz ermöglicht neben eigener Forschung auch Auftragsforschung und Kooperationen. Für Auftragsforschung gelten zusätzliche Voraussetzungen, unter anderem zum Ort der Geschäftsleitung des Auftragnehmers in der EU beziehungsweise im EWR.

Wichtig für Softwareunternehmen und Entwicklungsdienstleister: Bei Auftragsforschung liegt der Förderanspruch für die beauftragten Tätigkeiten beim Auftraggeber, nicht beim ausführenden Auftragnehmer. Die tatsächliche Aufgabenverteilung und die vertragliche Ausgestaltung müssen deshalb geprüft werden.

Wer entscheidet verbindlich über die Forschungszulage?

Die BSFZ beurteilt, ob dein Vorhaben dem Grunde nach begünstigte Forschung und Entwicklung ist. Anschließend prüft das zuständige Finanzamt den Antrag auf Forschungszulage und setzt die Förderung fest. Ein vorgelagerter Fördercheck ist eine fachliche Einschätzung, ersetzt aber nicht diese Entscheidungen.

FuE-Projekt gemeinsam mit DnA auf Förderfähigkeit prüfen

Du kennst dein Produkt. Dein Team kennt die technischen Hürden. Der nächste Schritt ist, daraus eine nachvollziehbare Bewertung des Förderpotenzials zu machen.

Bei DnA Ventures verbinden wir die Perspektive eines Early-Stage-Investors mit Industrie- und Technologieverständnis. Unser Fokus liegt auf Industrial und Deep Tech, und auf den Unternehmen, die neue technische Lösungen entwickeln.

Bei der Forschungszulage unterstützen wir dich von der ersten Einordnung über die Vorbereitung und Erstellung des Antrags bis zur Begleitung des weiteren Förderprozesses. Dabei geht es nicht darum, dein Projekt mit Förderbegriffen zu schmücken. Es geht darum, seine technische Substanz verständlich und nachvollziehbar darzustellen.

Erzähle uns, was du entwickelst, welche technische Frage noch offen ist und wie dein Team daran arbeitet. Gemeinsam schauen wir auf das mögliche Förderpotenzial und die nächsten Schritte.

Förderfähigkeit prüfen

Über DnA Ventures

Aus der Industrie, für die Industrie: DnA Ventures verbindet Industrie- und Startup-Erfahrung mit Venture Capital und nicht verwässernder FuE-Finanzierung. Ansprechpartnerinnen für eine erste Förderfähigkeitsprüfung sind Anna Saari und Maite Pazmino.

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